Zwei Arbeitswochen Aufwand für ein bisschen Fame auf Twitter? Das Projekt #365SEOTipps riecht nach Irrsinn. Während eines Jahres hatte ich auf Twitter jeden Tag einen SEO Tipp publiziert. Was hat das Ganze gebracht? Wie gross war der Aufwand? Und gibt es interessante Learnings? Es folgt die Abrechnung (Teil 1) mit einer grössenwahnsinnigen Idee.

Das Projekt

Ab 1. Juni 2015 twitterte ich während eines Jahres jeden Tag einen SEO Tipp. Die Tipps unter dem Hashtag #365SEOTipps umfassten schlussendlich 42 Themen, von Basics bis Advanced. Abrundend gab es auf Twitter eine Bekanntmachung des Projektes, ein paar Tweets mit Auswertungen und Anmerkungen zum Projekt, sowie eine abschliessende Buchverlosung. Im diesem Blogpost geht es um die Auswertung dieses einjährigen Twitter Projektes, ich bezeichne es im folgenden als Phase 1 des Gesamtprojektes #365SEOTipps.

Mit der Publikation der 365 Tipps auf dieser Website im Oktober 2016 begann Phase 2 des Gesamtprojektes #365SEOTipps. Diese noch andauernde Phase ist nicht Teil der Auswertung in diesem Blogpost, sondern folgt vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt als Teil 2 der „Abrechnung“.

Twitter Analytics

Beginnen wir mit der Auswertung auf Ebene der Tweets, die Sicht auf die Projektebene folgt anschliessend. Hier die Daten aus Twitter Analytics, segmentiert auf alle 452 Tweets des einjährigen Twitter Projektes resp. auf die 388 Tweets, welche ausschliesslich Tipps beinhalteten:

Kennzahlganzes einjähriges Twitter Projektausschliesslich Tipps
Tweets452388
Impressionen220'533182'256
Interaktionen2'6442'004
Likes391301
Retweets173142
Nutzerprofilklicks251185
Hashtag-Klicks228142
Detailerweiterungen596436
Aufsummiert sind die Werte auf den ersten Blick ziemlich beachtlich, insbesondere die Impressionen. In Relation zur Anzahl Tweets lässt sich jedoch z.B. anhand der Retweets und Likes erkennen, dass mit vielen Tipps nicht oder nur spärlich interagiert wurde.

Rekorde

Daneben gab es auch zahlreiche Tweets mit guten Interaktionswerten. Hier sind die Rekordhalter.

Impressionen (4’616) & Retweets (10):

Interaktionen (95):

Likes (7):

Über das ganze Twitter Projekt gesehen war – wenig überraschend – der Tweet mit der abschliessenden Buchverlosung am erfolgreichsten: Interaktionen (101) & Retweets (11)

Erfolgsfaktoren für Tipps / Tweets

Die Tipps (resp. Tweets) des Projektes #365SEOTipps waren tendenziell erfolgreicher, wenn sie

  • zu einem Zeitpunkt publiziert wurden, an dem viele User online waren
  • ein aussagekräftiges Bild (oder URL-Vorschau) beinhalteten
  • einen hohen Nutzen (Hilfe oder Neuigkeit) oder Unterhaltungswert aufwiesen
  • durch Multiplikatoren weiterverbreitet wurden

Wie alles begann

Die Idee, eine Serie mit SEO-Tipps zu twittern, entstand bei der Überlegung, wie ich meine Twitter Follower regelmässiger mit SEO beglücken und zudem meine Reichweite auf Twitter ausbauen könnte. Die ersten Überlegungen waren dann auch, wie lange die Serie dauern und in welchem Rhythmus die Tweets erfolgen sollten. Ein Tipp pro Woche? Zu wenig geballte Ladung! Während eines Monats einen Tipp jeden Tag? Ein Strohfeuer! Warum also nicht gleich mit der grossen Kelle anrühren und ein Jahr lang jeden Tag einen Tweet absetzen? Ich erstellte mir eine grobe Übersicht von möglichen Themen und multiplizierte mit einer ungefähren Anzahl Tweets pro Thema: Das konnte in etwa hinkommen! Voller Motivation machte ich mir noch ein paar Gedanken zum Nutzen des Ganzen – Aufwand und Konsequenzen liess ich aussen vor – und beschloss kurzerhand, am übernächsten Tag loszulegen. Ein jungfräulicher, einigermassen eingängiger Hashtag musste natürlich auch noch her: Projekt #365SEOTipps war geboren.

Ziele & Planung

Während dieses ersten Motivationsschubes gedachte ich mit dem Projekt folgende groben Ziele erreichen zu können:

  • Anzahl Follower und somit Reichweite auf Twitter ausbauen
  • SEO Expertenstatus in der Schweiz aufbauen
  • Erfahrungen mit Twitter und Social Media generell sammeln

Zugegeben: nicht ideal formulierte Ziele (Stichwort „SMART“ und so…). Auch in anderen Belangen kann die Projektplanung nicht als mustergültig bezeichnet werden.

Vorgehen

Grundlage der 365 SEO Tipps war eine Themenliste, welche ich ich übers Jahr erweiterte und sporadisch priorisierte. Pro gewähltes Thema erstellte ich jeweils eine Detailliste für die einzelnen Tipps. Im Idealfall bereitete ich alle Tipps eines Themas aufs Mal vor, erstellte wo sinnvoll Bilder und lud die Tipps auf Buffer, von wo sie dann automatisiert auf Twitter ausgespielt wurden. Dies gelang mir aber nur phasenweise, oft entstanden die Tweets Tag für Tag, was natürlich längst nicht so effizient war.

Schwierigkeiten

Ein Projekt, das ein ganzes Jahr dauert, bringt selbstverständlich auch Schwierigkeiten mit sich. Die offensichtlichste in diesem Fall: Jeden Tag musste ein sinnvoller Tipp getweetet werden. Egal was ich sonst um die Ohren hatte, ob ich krank war oder mir die Nacht um die Ohren geschlagen hatte. Die ersten Monate hielt ich eisern durch. Mit der Zeit wurde ich etwas nachlässiger und es gab den einen oder anderen Tag, an dem kein Tweet heraus ging oder als Kompensation gleich zwei.

Weitere Schwierigkeiten:

  • Plattformen: Ursprünglich wollte ich die Tipps über mehrere Plattformen verbreiten (Website, Facebook, Google Plus). Aus zeitlichen Gründen und wegen mangelnder vorgängiger Planung kam dies leider nicht zustande.
  • Aufwand: Manche Themen gingen flott von der Hand, andere waren aufwändiger, da Recherche oder Anfertigen von Bildmaterial anfielen.
  • Themen: Gegen Ende des Projektes wurde es mit den Themen doch etwas dünn. Darum auch z.B. die Kategorie „Fun“.
  • Monolog: Das ganze Projekt war eher ein Monolog als ein Dialog. Natürlich gab es Interaktionen und dann und wann ein positives Feedback. Aber so lebendig wie erwüscht, wurde das Projekt nie.
  • Motivationsprobleme: Die hatte ich selbstverständlich auch dann und wann:

Krisen

Wirkliche Krisen rund um das Projekt hatte ich zwei. Das erste Mal nach ca. 5.5 Monaten: Ich hatte bei der Arbeit und privat viel um die Ohren, die Tweets erzeugten gerade etwas wenig Echo und der Weg schien noch so unendlich weit. Das Projekt bei Halbzeit zu beenden war verlockend. Eine Umfrage auf Twitter brachte jedoch ein positives Ergebnis sowie ein paar aufmunternde Feedbacks auch über andere Wege. Also biss ich auf die Zähne, worüber ich heute froh bin. Die zweite Krise erfolgte nach ca. 9 Monaten: Die noch vorhandenen Themen wurden etwas dünn und das Ende des Projektes kam nur schleppend näher. Aufhören war zu dem Zeitpunkt jedoch keine Option mehr.

Aufwand

Folgende Arbeitsschritte fielen in der Phase 1 des Projektes an:

  • Themenliste führen
  • Tipps pro Thema definieren
  • Recherche
  • Bildmaterial erstellen
  • Tweets pro Tipp erfassen
  • weitere Tweets rund um das Projekt erfassen
  • Monitoring
  • auf Interaktionen reagieren

Ich führte kein Protokoll über den Aufwand. Geschätzt fiel pro Tag im Durchschnitt ca. eine Viertelstunde Arbeit an. Das ergibt in 365 Tagen 5’475 Minuten resp. 91.25 Stunden resp. über zwei Arbeitswochen. Schluck! Heisst das, ich hätte anstatt dieses Projekt durchzuführen zwei Wochen Urlaub machen können?! Zu meiner eigenen Beruhigung: Die meisten Arbeiten erledigte ich während des täglichen Pendelns. So gesehen sinnvoll genutzte Zeit. Rede ich mir zumindest ein.

Nutzen

Während des einjährigen Twitter Projektes stellte ich mir mehrmals die Frage, ob der Nutzen den Aufwand wirklich rechtfertigte. Beginnen wir mit den ursprünglichen Zielen:

  • Anzahl Follower auf Twitter ausbauen: Eine Auswertung isoliert auf dieses Projekt ist kaum möglich, da vor, während und nach dem Projekt über den Account ja auch kommuniziert wurde. Grundsätzlich ist jeder Tweet eine Chance, neue User zu erreichen und Follower zu gewinnen. Immer wieder konnte ich beobachten, wie nach dem Tweeten eines Tipps unmittelbar neue Follower oder Aufnahmen in Twitter-Listen folgten.
  • SEO Expertenstatus in der Schweiz aufbauen: Schwer zu beurteilen! Das Twitter Projekt war sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Zum Beispiel erhielt ich Feedbacks und Interaktionen von Personen aus der Schweizer Online Branche, mit denen ich vorher nicht in Kontakt stand. Und dies beschränkte sich nicht auf die Schweiz.
  • Erfahrungen auf Twitter und Social Media generell sammeln: Absolut! Erfahrungen, die sich nur beim Machen sammeln lassen. Es gibt keine Abkürzung…

Weiter brachte mir das Projekt Nutzen, an den ich ursprünglich gar nicht gedacht hatte:

  • Neue, interessante Kontakt
  • #365SEOTipps als effizientes Nachschlagewerk
  • Inhaltliche Vertiefung
  • Material für Website, Blogposts und verschiedene Anfragen und Ideen
  • Learnings:

Heute – fünf Monate nach Ende des einjährigen Twitter Projektes und während Phase 2 des Projektes läuft – kann ich #365SEOTipps mit Überzeugung und gutem Gewissen als Erfolg bezeichnen.

Learnings

Meine Learnings aus dem Twitter Projekt:

  • Grosszügigere Planungsphase: Das Projekt gewinnt an Qualität und Effizienz, wenn Vorarbeiten sorgfältig erledigt werden. z.B. hätte dem Twitter Projekt besseres Bildmaterial und eine gradlinigere Themenwahl gut getan.
  • Themen en Bloc planen: Es bringt nur Vorteile, wenn die Tweets eines Themas in einem Block geplant und z.B. in Buffer geladen werden. Der Aufwand und der Stress werden reduziert, die Qualität der Tipps steigt, die Tweets können automatisiert zu idealen Zeitpunkten publiziert werden.
  • Distribution über mehrere Plattformen: Der grösste Aufwand war die Erstellung der Tipps. Die Distribution über zusätzliche Plattformen wie Website oder Facebook hätte den Aufwand nicht massiv erhöht – jedoch die Reichweite deutlich gesteigert.
  • Multiplikatoren ins Boot holen: Personen mit vielen aktiven Twitter Followern haben die Reichweite und somit Interaktionswerte deutlich erhöht. Multiplikatoren könnten frühzeitig für ein solches Projekt gewonnen werden.
  • Steter Tropfen höhlt den Stein: Sowohl Reichweite auf Twitter als auch Experten Status lassen sich nicht mit Hauruckübungen erzielen. Mit Kontinuität und Qualität lässt sich einiges erreichen.

Würde ich es wieder tun?

Auf gar keinen Fall!
So meine Antwort auf diese Frage gleich nach Ende des einjährigen Twitter Projektes.
Jetzt – bereits fünf Monate später – fällt die Antwort etwas differenzierter aus: Warum eigentlich nicht, falls sich eine gute Idee ergibt? Allerdings gäbe es zwei Voraussetzungen:

  1. Die Berücksichtigung der oben aufgeführten Learnings wären Pflicht.
  2. Täglich ein ganzes Jahr lang – das war schon etwas grössenwahnsinnig. Und wäre in diesem Umfang nicht nochmals das Setting.

Wie weiter?

Wie eingangs erwähnt war #365SEOTipps nach dem einjährigen Twitter Projekt längst nicht beendet. Die Veröffentlichung der gesammelten Tipps auf dieser Webseite stiess auf erfreuliches Echo: Der Hinweis auf Twitter wurde fleissig retweetet, auf der Webseite fand sich ein schöner Besucherstrom via Twitter, Facebook und andere Quellen ein, und es kamen drei, vier interessante Anfragen für Kooperationen zustande. Diese Anfragen sowie weitere Ideen warten auf deren Umsetzung, teils in konkretem Stadium, teils noch in weiter Ferne. Es dürfte also in Zukunft noch ein paar News rund um das Projekt geben – sowie vermutlich auch eine „Abrechnung Teil 2“.